Westfälische Nachrichten über das Konzert im SpecOps in Münster, 18.01.12

“RESONATOR-DUO MIXT ELEKTRO MAL ANDERS"

Mehr Experimente wagen

Anja Kreysing und Kai Niggemann haben ihr neues Album „Trust“ im SpecOps Network präsentiert.

Münster - Kai Niggemann sitzt im SpecOps hinter einem iPad und zwei Synthesizern und legt seinen Zeigefinger an die Lippen. Leise haucht er ein „Psssssst“ in die Zuschauerrunde und verharrt in dieser Position. Die wenigen Sekunden bis der Theatermusiker den ersten Klang erzeugt, ziehen sich wie Minuten in die Länge. Er versteht den Aufbau von Dramaturgie.

Neben ihm sitzt Anja Kreysing. Ihre Finger ruhen auf den Bassknöpfen eines Akkordeons. Nach den ersten Sequenzen ihres Bandkollegen zieht sie die Zungen des Instrumentenbalgs auseinander und beginnt zu spielen. Elektronische Beats mit Akkordeonlauten: Wie passt das zusammen? Kai erklärt: „Wir machen experimentellen Elektro und kombinieren Musik, die mit dem Computer und der Hand hergestellt wird.“

Dabei versteht er sich nicht als Diskjockey, der in Clubs seine Platten zum Tanzen auflegt - obwohl er auch dazu mal Lust hätte. Er macht bei einem Gig das, was der DJ vor seinem Auftritt zu Hause tut - einen Track oder ein Set produzieren. Lediglich einzelne Tonstücke sind auf seinem Computer abgespeichert. Ob er dazu Bässe und Effekte einspielt, entscheidet der Theatermusiker live auf der Bühne. Deswegen sind die Resonator-Stücke bei keinem Auftritt identisch.

Trotz ihres experimentellen Anspruchs bewundert der Künstler auch Mainstream-Musiker wie David Guetta, Lady Gaga und die lange Reihe der Singer-Songwriter: „Sie haben eine ganz andere Art, Massen anzusprechen, und verpacken in ihren Liedern ganze Stories.“ 

Geschichten erzählen er und seine Bandkollegin auch, die sich an der Kunstakademie Münster lange mit Klanginstallationen und Filmsounds beschäftigt hat. Gemeinsam hat das Duo schon Stummfilme vertont und die Musik für Theaterstücke und Künstlerfilme aufgenommen. 

Nach einigen Tracks fährt Kai mit der rechten Hand über sein iPad und regelt mit der linken Hand am Synthie langsam die Lautstärke herunter. Wieder folgt sekundenlange Stille, bis sich die Künstler für den Applaus ihres staunenden Publikums bedanken. Sie stünden jetzt für Fragen bereit. Die gebe es bestimmt.

– Westfälische Nachrichten, Münster (Marie Rövekamp), 24.01.12

WN über Resonator Konzert