Nosferatu Review

gepostet von Kai | 11. November 2005

Manuel Jennen schrieb in der Münsterschen Zeitung über Nosferatu:

Vampir mit Elektro-Antrieb

Kino: Moderne Musik zum Stummfilmklassiker “Nosferatu”

Münster. Man stelle sich vor, der Vampir beißt herzhaft in den Hals der jungen Schönen — und sie kreischt gar nicht. Das ist nicht spannend. Und deshalb wurde F.W. Murnaus Stummfilmklasssiker “Nosferatu” 1922 auch nicht stumm aufgeführt, sondern mit einer Musikbegleitung, die die Emotionen der Handlung spiegelte.

Keine Parodie

Noten aus dieser Zeit und auch spätere Vertonungen des Films sind zwar erhalten, doch das münstersche Duo “Resonator” gab sich damit nicht zufrieden. Anja Kreysing und Kai Niggemann schufen einen eigenen Soundtrack. Am Dienstag führten sie ihn in Münsters ausverkauftem Programmkino Cinema erfolgreich auf.

Zum Glück nehmen die beiden Musiker “Nosferatu” als Horrorfilm ernst und nutzen das etwas affektierte Auftreten einiger Schauspieler nicht zu parodistischen Klängen.

Denn Murnaus Meisterwerk ist auch nach 80 Jahren noch ein Schocker: Wenn der Vampir nachts vor der Tür seines Gastes, eines jungen Häusermaklers, lauert, stockt dem Zuschauer vor Entsetzen der Atem. Kai Niggemann untermalt die Szene mit einem Tornado wummernder und grell zwitschernder Elektro-Töne. Mit Synthesizer, Samplern und Theremin (einem Instrument, bei dem die Hände das elektromagnetische Feld um eine Antenne modellieren) sorgt er für moderne Klangeffekte. Partnerin Anja Kreysing unterstreicht mit einem melancholischen Akkordeon-Walzer die nostalgisch-finstere Grundstimmung des Films.

Das Duo hatte sich im Cinema rechts neben der Leinwand aufgebaut undd folgte dem Tempe der Szenen mit perfektem Timing. Und der Vampir — musste am Ende zu Staub zerfallen. Der Hals der jungen Schönen hatte ihn den Sonnenaufgang vergessen lassen.

Manuel Jennen, Münstersche Zeitung, 3.11.2005

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